{"id":208,"date":"2016-11-13T12:39:55","date_gmt":"2016-11-13T10:39:55","guid":{"rendered":"https:\/\/ernstkoehler.wordpress.com\/?p=208"},"modified":"2016-11-13T12:39:55","modified_gmt":"2016-11-13T10:39:55","slug":"das-kosovo-hinter-der-kosovofrage-am-vorabend-der-status-verhandlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/das-kosovo-hinter-der-kosovofrage-am-vorabend-der-status-verhandlungen\/","title":{"rendered":"Das Kosovo hinter der Kosovofrage \u2013 am Vorabend der Status-Verhandlungen"},"content":{"rendered":"<p>Ernst K\u00f6hler (September\/ Oktober 2005)<\/p>\n<h2>1. Zwischen Diagnose und Diplomatie. \u00dcber den neuen Kosovo-Bericht des UN-Sonderbeauftragten Kai Eide.<\/h2>\n<figure id=\"attachment_28\" aria-describedby=\"caption-attachment-28\" style=\"width: 78px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-28 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/kai-eide.jpg\" alt=\"kai-eide\" width=\"78\" height=\"118\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28\" class=\"wp-caption-text\">B<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bereits im August 2004 hatte der norwegische Diplomat Kai Eide im Auftrag Kofi Annans einen vielbeachteten Bericht \u00fcber die Lage im Kosovo vorgelegt. Unter dem Eindruck der schweren \u00dcbergriffe im M\u00e4rz 2004, hatte er davor gewarnt, die Verhandlungen \u00fcber den k\u00fcnftigen \u201eStatus\u201c des Landes noch weiter zu verz\u00f6gern. Im Klartext: die Frage, ob das Kosovo ein unabh\u00e4ngiger Staat sein wird, wie es die albanische Mehrheit will, oder aber als autonome Provinz bei Serbien-Montenegro bleibt, d\u00fcrfe nicht l\u00e4nger vertagt werden. Die \u201eStandards\u201c waren soeben in den anti-serbischen Unruhen massiv verletzt worden \u2013 dennoch sollten sie jetzt auf einmal nicht mehr als unverzichtbare Vorleistung gelten: als unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Er\u00f6ffnung des \u201eStatus-Prozesses\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die explosive Situation im Land hatte das Etappenmodell der UNMIK-Verwaltung \u2013 samt seinen erzieherischen Aspekten \u2013 \u00fcber den Haufen geworfen. Das Papier des Sonderbeauftragten verlangte eine Korrektur der offenkundig illusion\u00e4ren, jetzt schlagartig desavouierten Reihenfolge. Nicht mehr: zuerst Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft, und erst dann das heikle Thema der Staatenbildung. Sondern: beides zugleich, beides parallel auf die Tagesordnung. Insofern handelt es sich um ein Dokument der politischen Ern\u00fcchterung, des diplomatischen Realismus, der ja nicht selten auch von zynischer Beweglichkeit gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Anfang Oktober 2005 hat Kai Eide Kofi Annan einen zweiten Bericht \u00fcberreicht. Die Aufgabe lautete zwar immer noch: zu pr\u00fcfen, ob das Kosovo im Innern denn inzwischen \u00fcberhaupt reif, \u00fcberhaupt entwickelt genug sei f\u00fcr die schwierige, zutiefst kontroverse Entscheidung \u00fcber seine staatliche oder staatsrechtliche Zukunft. Aber kaum jemand erwartete im Ernst von diesem k\u00fchlen au\u00dfenpolitischen Kopf, da\u00df sein Urteil nun unvermittelt negativ ausfalle. Und so nimmt sich die neue Diagnose (ein internes Papier, nicht im Internet) denn auch als eine fast schon virtuose Gratwanderung aus. Keine Sch\u00f6nf\u00e4rberei: die schwerwiegenden M\u00e4ngel im Aufbau funktionst\u00fcchtiger demokratischer und rechtsstaatlicher Institutionen werden alle beim Namen genannt. Der nach wie vor prek\u00e4ren, nach allen liberalen oder gar menschenrechtlichen Ma\u00dfst\u00e4ben unhaltbaren Lage der Minderheiten im Kosovo r\u00e4umt dieser schonungslose Bericht einen herausragenden Platz ein. Man gewinnt den Eindruck, da\u00df es dem Text angesichts dieses Befundes nicht leicht f\u00e4llt, den alten Vorrang der \u201eStandards\u201c vor dem \u201eStatus\u201c zu relativieren \u2013 im Interesse einer politischen Dynamik, die das isolierte und verarmte Land zu Recht erwarte und die keinesfalls erneut abgeblockt werden d\u00fcrfe. Die Verfasser geben sich jedenfalls gro\u00dfe M\u00fche damit, diese Akzentverschiebung zu rechtfertigen &#8211; von den Rechten der Minderheiten auf die Beendigung des unertr\u00e4glichen und objektiv sch\u00e4digenden Schwebezustandes, in dem sich das Land seit sechs Jahren befindet.<\/p>\n<p>Ungeachtet seines Ernstes und des \u00fcberall im Text sp\u00fcrbaren Ringens um eine ungeschminkte, aber darum noch nicht pessimistische oder l\u00e4hmende Bilanz, ist der Bericht entt\u00e4uschend. Er ist zu sehr ein Erzeugnis der \u201ereal existierenden\u201c Diplomatie, als da\u00df er die wirkliche Befindlichkeit des Kosovo und seiner Bev\u00f6lkerungsgruppen ganz erfassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es sei dies hier in zwei Punkten verdeutlicht. Der Bericht sp\u00fcrt den Legitimationszerfall der Vereinten Nationen im Lande \u2013 es ist auch einigerma\u00dfen schwer, ihn nicht zu sp\u00fcren, aber er vermag ihn nicht auszuloten. Der Bericht schildert die Entrechtung der kosovarischen Serben, aber er blendet den politischen und zeitgeschichtlichen Kontext dieser faktisch unbestreitbaren Fehlentwicklung weitgehend aus.<\/p>\n<p>Zum ersten Punkt: Kai Eide scheint nicht ernsthaft in Betracht ziehen zu wollen, da\u00df die Zeit eines Protektorats im Kosovo \u00fcberhaupt abgelaufen sein k\u00f6nnte \u2013 jeder Form von internationaler Pr\u00e4senz im Lande, die noch mit politischer Verf\u00fcgungsgewalt verbunden w\u00e4re, also mit Herrschaft. Wie der junge Verwaltungschef des lokalen Gerichts von Malisevo dem Besucher im Gespr\u00e4ch darlegt, rechnen \u00d6ffentlichkeit und Fachwelt im Kosovo fest mit der \u00dcbergabe von Justiz und Polizei an neu gebildete kosovarische Ministerien noch in diesem Jahr. Kai Eide glaubt hingegen, vor einer \u00dcbergabe der Macht in diesem Kernbereich staatlicher Sanktionsgewalt zu diesem Zeitpunkt warnen zu m\u00fcssen. Das Risiko erscheint ihm angesichts der strukturellen M\u00e4ngel der Polizei und der Justiz vor Ort sehr gro\u00df. Aber wie gro\u00df w\u00e4re das Risiko einer weiteren Verweigerung dieser Machtkompetenzen? Instinktlos und sogar provokativ d\u00fcrfte der Vorschlag wirken, im Kosovo der demn\u00e4chst abziehenden UN eine Art EU-Gouverneur zu etablieren \u2013 keine Kopie des \u201eHigh Representative\u201c in Bosnien-Herzegovina zwar, aber doch zumindest im sensiblen Bereich der interethnischen Beziehungen mit \u201eBonn power\u201c ausgestattet (Interventionsrechten, wie sie dem OHR 1997 in Bonn zugestanden worden waren). \u201eWir brauchen eine echte Assistenz\u201c, so im Gespr\u00e4ch Bujar Bukoshi, der fr\u00fchere Exil-Ministerpr\u00e4sident des Kosovo und heute ein geradezu rigoroser Kritiker seines Landes: nachhaltige Hilfestellung also \u2013 durchaus im Land, nicht Fremdbestimmung, nicht Kontrolle von au\u00dfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26\" aria-describedby=\"caption-attachment-26\" style=\"width: 69px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-26 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/bukoshi.jpg\" alt=\"bukoshi\" width=\"69\" height=\"99\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26\" class=\"wp-caption-text\">Bukoshi<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zum zweiten Punkt: Der Bericht Kai Eides sieht nicht oder will nicht sehen, da\u00df die Serben im Kosovo nicht einfach eine Minderheit unter Minderheiten sind, sondern eine entmachtete, deklassierte Herrenschicht. Nicht alle waren Herren \u2013 die Masse der serbischen Bauern ist denn auch im Lande geblieben: nach 1999 und auch nach 2004.Verschwunden sind aber die Serben in den St\u00e4dten \u2013 verschwunden zusammen mit dem serbischen Staat, mit dem sie auf vielf\u00e4ltige Weise verbunden waren. Keine dieser Unterscheidungen, die f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Lage der kosovarischen Serben wesentlich sind, findet sich bei Eide. Sein an die albanische Mehrheit gerichteter Appell zum Ausgleich, zur Vers\u00f6hnung mu\u00df so phrasenhaft bleiben. Die moralisierende Rhetorik kann auch nicht \u00fcber eine klaffende Leerstelle in diesem Text hinwegt\u00e4uschen: Mitrovica, Nord-Mitrovica, wo Belgrad bis heute das Sagen hat, bleibt ausgespart. Nur von serbischen \u201eParallelstrukturen\u201c ist allgemein und aseptisch die Rede.<\/p>\n<h2>2. Keine Verhandlungen? Ein Gespr\u00e4ch mit Albin Kurti.<\/h2>\n<p>Wer den Kosovo-Albanern Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte, hat immer ihre Angst vor einer R\u00fcckkehr des 1999 schm\u00e4hlich verjagten serbischen Staates mit seinen Soldaten und Polizisten ber\u00fccksichtigt. Und wom\u00f6glich sogar noch die unverzeihlichen Gewaltakte gegen die im Lande verbliebenen Serben im M\u00e4rz 2004 in Anschlag gebracht. Aber da stimmte es schon nicht mehr. Die Wut richtete sich damals bereits gegen das Protektorat und die Unmik. Und nur weil es ein Mob war, der sich da zusammenfand \u2013 feige, wie bislang noch jeder Mob in der Weltgeschichte \u2013 griff er die Macht nicht direkt, nicht frontal an, sondern k\u00fchlte sein M\u00fctchen an den Wehrlosen. Und inzwischen stimmt es schon \u00fcberhaupt nicht mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25\" aria-describedby=\"caption-attachment-25\" style=\"width: 397px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-25 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albin-kurti.jpg\" alt=\"albin-kurti\" width=\"397\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albin-kurti.jpg 397w, https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albin-kurti-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 397px) 85vw, 397px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25\" class=\"wp-caption-text\">Kurti<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer heute durch das Kosovo reist, merkt \u00fcberall, da\u00df die alte Angst vor Serbien das Denken und Empfinden der Menschen nicht mehr beherrscht. Dieser Bann ist von dem Land gewichen. Nach sechs Jahren internationaler Verwaltung macht sich hier jene normative Kraft des Faktischen geltend, wie sie am sch\u00e4rfsten vielleicht Zoran Djindjic kurz vor seiner Ermordung auf den Punkt gebracht hat \u2013 aus der Sicht des leitenden serbischen Politikers: freim\u00fctig, provokativ, aber auch bitter und desillusioniert. Serbien und sein Hoheitsanspruch \u00fcber die Provinz &#8211; dieses ganze Brimborium von der \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c des Staates und der Unverletzlichkeit seiner Grenzen, wie es jetzt wieder Vojislav Kostunica vor dem UN-Sicherheitsrat abgezogen hat &#8211; ist nur noch ein Alptraum von gestern. Vergessen ist nichts.<\/p>\n<p>Die Vermi\u00dften des Krieges sind gr\u00f6\u00dftenteils noch immer vermi\u00dft. Die Leichen aus den Massengr\u00e4bern in Serbien treffen nur in kleinen Gruppen hier ein. Geschichte \u2013 die j\u00fcngste, noch gar nicht vernarbte und die Zeitgeschichte im gro\u00dfen \u2013 ist hier gegenw\u00e4rtig, auch das eine Linie der Entfremdung gegen\u00fcber den \u201eInternationalen\u201c und ihrer typischen Verst\u00e4ndnislosigkeit f\u00fcr dieses lange Ged\u00e4chtnis. Und eine Beruhigung, eine Bes\u00e4nftigung des politischen Klimas bedeutet das Schwinden des unmittelbaren Bedrohungsgef\u00fchls auch nicht unbedingt. Aber im Zentrum aller politischen Sensibilit\u00e4t steht heute im Kosovo doch nicht mehr die alte Gewalt, der hundertj\u00e4hrige Machtmi\u00dfbrauch Serbiens, sondern die noch ganz frische Fehlleistung der Vereinten Nationen. Auch das ist noch zu schwach, zu ungenau formuliert: im Mittelpunkt des politischen Denkens steht heute das Mandat der Unmik &#8211; seine unbegreifliche zeitliche Unbegrenztheit, seine blo\u00df formelle, rhetorische Verpflichtung auf Demokratie, seine Legitimation \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Das B\u00fcro ist spartanisch, aber ein Stuhl wird doch gefunden. Albin Kurti, gro\u00df, schlank, ernst, ist 30 Jahre alt. 1997 war er einer der F\u00fchrer der albanischen Studenten im Kampf um die Chance auf eine Hochschulausbildung. Anschlie\u00dfend war er Sprecher von Adem Demaci in der politischen Leitung der UCK, 1999-2001 schlie\u00dflich sa\u00df er als politischer Gefangener in serbischen Gef\u00e4ngnissen: zuerst im Kosovo, wo er auch gefoltert worden ist, sp\u00e4ter in S\u00fcdserbien. Heute ist er der Sprecher einer offenbar an Einflu\u00df gewinnenden au\u00dferparlamentarischen Bewegung f\u00fcr ein freies demokratisches Kosovo.<\/p>\n<p>\u201eUnsere politischen Parteien stagnieren oder schrumpfen, auch &amp;Mac226;Ora&#8216; (Stunde), die nichts als ein Wahlverein f\u00fcr Veton Surroi pers\u00f6nlich war und inzwischen im Lande auch gar nicht mehr in Erscheinung tritt. Sie alle haben die Verbindung zur jungen Generation verloren, die bei uns bekanntlich sehr gro\u00df ist. Nur wir wachsen.&#8220; &#8211; so Kurti. Ganz neu ist die B\u00fcrgerinitiative nicht mehr, aber w\u00e4hrend sie sich Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts im wesentlichen auf ein einziges Thema beschr\u00e4nkt hatte (die politischen Gefangenen), setzt sie sich seit 2003 f\u00fcr die Entfaltung einer \u201epulsierenden zivilen Gesellschaft in Kosova\u201c ein \u2013 so in der Plattform des \u201eKosova Action Network\u201c im Internet nachzulesen, mit einem Bekenntnis zur liberalen Demokratie westlicher Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Nach Kurti gibt es gegenw\u00e4rtig 5000 Mitglieder \u2013 es sind jedenfalls genug, um auf tausend Mauern im ganzen Land die aktuelle Kernparole der Bewegung zu spr\u00fchen: \u201eJo Negociata \u2013 Vetevendosje!\u201c (\u201eKeine Verhandlungen \u2013 Selbstbestimmung!\u201c) Am liebsten in Sichtweite der Unmik-Instanzen, die man auch mit anderen gewaltlosen Aktionen aus dem Arsenal der Studentenbewegung provoziert, was schon zu Verhaftungen und sogar zu Kn\u00fcppelaktionen internationaler Sicherheitskr\u00e4fte gef\u00fchrt hat. Sogar die KFOR beteiligt sich gelegentlich an der Unterdr\u00fcckung solcher Proteste, wie der Besucher sp\u00e4ter im Camp der deutschen Truppen in Prizren erf\u00e4hrt. Man scheint die revoltierenden jungen Leute jedenfalls ernstzunehmen. F\u00fcr Albin Kurti sind das \u201ekolonialistische\u201c Methoden &#8211; ist \u00fcberhaupt die internationale Verwaltung samt den von ihr abh\u00e4ngigen kosovarischen Institutionen ein von Grund auf \u201eundemokratisches\u201c Regime. Doppelt undemokratisch oder besser antidemokratisch \u2013 seiner Funktion nach, die in Fremdherrschaft (teilweise indirekter Fremdherrschaft) bestehe, und auch seinem Aufbau nach, der strikt \u201ehierarchisch\u201c sei. \u201eSie m\u00fcssen nur einmal im Innern einer dieser Machtzentralen gewesen sein: endlose Flure, auf denen energischen Schrittes irgendwelche Leute hin- und herlaufen &#8211; mit gewichtiger Miene und Aktentasche, wie bei Kafka.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_24\" aria-describedby=\"caption-attachment-24\" style=\"width: 316px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-24 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albert-memmi.jpg\" alt=\"albert-memmi\" width=\"316\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albert-memmi.jpg 316w, https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/albert-memmi-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 85vw, 316px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24\" class=\"wp-caption-text\">Den deutschen Titel vom &#8222;Colonizer&#8220; finden Sie beim ZVAB oder in der Unibibliothek Konstanz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Feuer seiner Kritik zitiert Kurti sogar \u201eDer Kolonisator und der Kolonisierte\u201c, das klassische Werk des tunesischen Soziologen Albert Memmi vom Ende der 50er Jahre. Wenn man es heute wiederliest, vergeht einem freilich das Spotten; denn diese klare Analyse der kolonialen Herrschaft f\u00e4llt auch f\u00fcr den Unterdr\u00fcckten sehr schmerzlich aus. Auch der Kolonisierte und \u00fcberhaupt jeder Unterworfene ist danach schwer deformiert. Auch noch im Moment der Auflehnung. Wer sich auf diesen gnadenlosen Text beruft, kann kaum ein Populist sein. Ist es tats\u00e4chlich nur ein Feindbild, das dieser junge und bereits hart gepr\u00fcfte Gerechte hier konstruiert?<\/p>\n<p>Shkelzen Maliqi, der international wohl respektierteste unter den Intellektuellen Prishtinas, scheint es so zu sehen: \u201eWarum machen sie jemand zum Feind, der sich doch bereits anschickt abzuziehen?\u201c F\u00fcr Maliqi ist der Gedanke, da\u00df man seine Freiheit, seine W\u00fcrde, seine Existenz nicht zum Verhandlungsgegenstand machen k\u00f6nne, keine Politik, sondern politischer Moralismus.<\/p>\n<p>Man gewinnt in diesem spannungsgeladenen Herbst im Kosovo aber den Eindruck, da\u00df viele es hier anders empfinden. \u00dcber Albin Kurti wird mit Achtung gesprochen \u2013 manchmal auch mit einem etwas verlegenen L\u00e4cheln. Es ist eine \u00f6ffentliche Figur, die ganz offenkundig als weniger verbraucht, weniger vulg\u00e4r, weniger schillernd wahrgenommen wird als andere politische F\u00fchrer, denen man ihre politischen Verdienste nicht abspricht, die aber doch gro\u00dfe, abgehoben agierende Bosse bleiben. Auch ihren aufwendigen Lebensstil lastet man ihnen an und fragt sich, woher sie die Mittel dazu haben.<\/p>\n<h2>3. Wie wird man Filmregisseur in Prishtina?<\/h2>\n<p>Wir sind besorgt. Unsere Artikel lauten \u201eNeue Unordnung im Balkan?\u201c oder so \u00e4hnlich. Wo wird die jetzt angesto\u00dfene oder vielmehr endlich zugelassene politische Bewegung enden? Die Fragen dr\u00e4ngen sich auf. Aber sie haben auch ihren Preis. Sie neigen dazu, sich zu einer Sicht zusammenzuf\u00fcgen. Und dann fahren wir im Kosovo herum und klopfen unsere Beobachtungen auf ihre Vieldeutigkeit, auf eine versteckte Abgr\u00fcndigkeit ab. Wir laufen Gefahr, uns in sicherheitspolitische Seismographen zu verwandeln. Und dann ist es aus mit unseren Texten. Der Preis f\u00fcr unser gesteigertes hochpolitisches Verantwortungsbewu\u00dftsein, f\u00fcr unsere staatsm\u00e4nnische Alarmiertheit sind unsere Texte. Es schleicht sich Mi\u00dftrauen zwischen die Zeilen, wenn nicht gar eine peinliche Geringsch\u00e4tzung f\u00fcr unsere Gespr\u00e4chspartner vor Ort. W\u00f6rter wie \u201eangeblich\u201c oder \u201evermeintlich\u201c stellen sich bei jeder Gelegenheit ein und verhunzen unseren Stil. Besonders wenn uns jemand sagt, er sei f\u00fcr Demokratie. Oder gar: er sei f\u00fcr gewaltlosen Ungehorsam. Der ungl\u00e4ubige Thomas war schon immer ein schlechter Schreiber. Wenn die ganze Welt langsam verd\u00e4chtig wird, verdorrt unvermeidlich die Feder.<\/p>\n<figure id=\"attachment_29\" aria-describedby=\"caption-attachment-29\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-29 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/maliqi.jpg\" alt=\"maliqi\" width=\"170\" height=\"234\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29\" class=\"wp-caption-text\">Maliqi<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor allem aber droht \u00fcber diesem jetzt wieder neu aufgebotenen Balkandiskurs eine elementare journalistische Frage auf der Strecke zu bleiben: Wie macht die Gesellschaft im Kosovo sich selber zum Thema? Oder hat sie etwa damit aufgeh\u00f6rt? Haben die Menschen im Kosovo das Nachdenken, das Reden \u00fcber sich selbst und ihr Land eingestellt? Und w\u00e4ren so &#8211; kollektiv, geschlossen &#8211; zu jenem hartgepanzerten, unbekannten Stabilit\u00e4tsrisiko geworden, das wir so scharfsichtig auszukundschaften suchen? Wenn es sich schon f\u00fcr den Westen wieder einmal gef\u00e4hrlich verdunkelt &#8211; welches Bild hat das Kosovo von sich selbst?<\/p>\n<p>Drei Varianten, drei Thesen der Selbstreflexion begegnen dem Besucher hier auf Schritt und Tritt: Das eigentliche Problem, das parasit\u00e4re System, die verrohte Nachkriegsgesellschaft.<\/p>\n<p>Er ist Mitte zwanzig und arbeitet als Kellner in einem Restaurant in Prishtina \u2013 f\u00fcr 200 Euro im Monat, was hier nicht schlecht ist. Er braucht das Geld auch, er mu\u00df f\u00fcr seine Frau und eine kleine Tochter sorgen. Einen kleinen Lebensmittelladen haben sie aufgegeben, als das Kind kam. Sein \u00d6konomie-Studium an der Universit\u00e4t Prishtina hat er aus finanziellen Gr\u00fcnden abbrechen m\u00fcssen. Er war eine Zeitlang als Fl\u00fcchtling in Deutschland und spricht etwas deutsch. Ins Gespr\u00e4ch kommen wir, als er dem Gast das hier gekaufte Handy und die komplizierten Netzverh\u00e4ltnisse in der Region erl\u00e4utert. Aber einmal geht er aus sich heraus. Ob er Kontakt zu Serben habe? Schon immer, das sei f\u00fcr ihn kein Problem. Ob er f\u00fcr den Besucher vielleicht ein Gespr\u00e4ch zu einem Serben vermitteln k\u00f6nne \u2013 zu einem \u201eganz normalen\u201c am besten?<\/p>\n<p>Am Abend, nach der Arbeit im Restaurant gehen wir gemeinsam zu einer Station der KPS (Kosova Police Service), wo auch serbische Beamte arbeiten. Der Kellner entfaltet seine ganze diplomatische Kunst, und ein junger serbischer Polizist l\u00e4\u00dft sich auch tats\u00e4chlich zu einem kurzen Gespr\u00e4ch \u00fcberreden. Er bleibt aber dabei stehen. Der Journalist fragt im Sitzen, der Kellner \u00fcbersetzt im Stehen, der Uniformierte antwortet im Stehen. Er sagt, er habe keine Probleme am Arbeitsplatz. Er f\u00fchle sich wohl hier, die albanischen Kollegen akzeptierten ihn. Auf die Frage, ob er denn auch hierbleibe, wenn das Land unabh\u00e4ngig werde, antwortet er langsam, das komme ganz darauf an. Er wolle erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickelten. Er habe schlie\u00dflich eine Familie hier. Dann bricht das Gespr\u00e4ch auch schon ab. So geht es nicht, und der findige Journalist fragt sich, wann er denn mit der St\u00fcmperei aufh\u00f6ren will. Bei einem Glas Wein anschlie\u00dfend kommt der junge Kellner zur Sache: \u201eWir haben hier ein wirkliches Problem. Unten drunter. Das ist die Arbeit. Wir haben keine Arbeit. Serben nicht, Albaner nicht. Es ist f\u00fcr alle gleich.\u201c Mit \u201ewirklich\u201c ist hier gemeint: \u201ewirklicher\u201c als das ganze ethnische Gegeneinander.<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 \u201eTirana\u201c im Zentrum von Prishtina hat was. Das Essen ist gut, der Wein ist gut, der Grappa ausgezeichnet. An einer Wand h\u00e4ngen vergr\u00f6\u00dferte alte Fotos: elegant und auch ein wenig nostalgisch anmutende Stadtansichten vom Tirana des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Aber das Besondere sind die G\u00e4ste. Es sind vor allem Gebildete der \u00e4lteren Generation, die sich hier allabendlich zum Plaudern treffen. Sie kennen sich alle, so gro\u00df ist die Stadt nicht. Auch der ein oder andere Serbe verkehrt hier. Sp\u00e4ter am Abend verwischt und verliert sich dann wohl die klare Rollenverteilung zwischen dem Inhaber, dem ebenfalls hochqualifizierten Kellner und den G\u00e4sten, und alle plaudern quer Beet durcheinander.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30\" aria-describedby=\"caption-attachment-30\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-30 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/obilic.jpg\" alt=\"obilic\" width=\"300\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30\" class=\"wp-caption-text\">Kraftwerk Obilic<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer der Herren, Ende 50 vielleicht, ist erst vor ein paar Monaten aus Deutschland zur\u00fcckgekehrt. Sein Deutsch ist makellos, akzentfrei. Er ist Diplomingenieur und hat lange Jahre in deutschen Kraftwerken gearbeitet. K\u00fcrzlich habe er sich von einigen Kollegen den Kraftwerk-Komplex von Obilic bei Prishtina zeigen lassen. In einigen f\u00fcr ihre technische Funktionst\u00fcchtigkeit entscheidenden Teilen sei die Anlage seit Anfang der 60er Jahre nicht mehr gewartet worden. Sie befinde sich \u00fcberhaupt in einem katastrophalen und schon unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit absolut unhaltbaren Zustand. Das bestritten auch die verantwortlichen Ingenieure dort keineswegs. Wo denn, wenn es sich so verhalte, die Milliarde Euro geblieben sei, die unter dem UN-Protektorat dort hineingesteckt worden sei? Die Antwort ist nicht \u00fcberraschend: sie sei zum guten Teil in allen m\u00f6glichen Taschen verschwunden. Und durchaus nicht nur in kosovo-albanischen, sondern auch in internationalen. Es ist das Bild von einem unkontrollierten Filz, von einer die kosovarischen M\u00e4chtigen und die ausl\u00e4ndischen \u00dcberm\u00e4chtigen komplizenhaft miteinander verbindenden, geradezu systemischen Korruption, das der Ingenieur zeichnet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_27\" aria-describedby=\"caption-attachment-27\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-27 alignright\" src=\"https:\/\/koehler-kn.de\/ernst\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/joachimruecker.gif\" alt=\"joachimruecker\" width=\"205\" height=\"145\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fccker<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir treffen auch im Rahmen der Unmik auf Leute, die es \u00e4hnlich sehen. Aber es sind ebenfalls Techniker. Als wir die Sicht unseres Ingenieurs dann auch Botschafter Joachim R\u00fccker vortragen, dem neuen Chef des EU-Pillars (Wirtschaftsabteilung der Unmik in EU-Verantwortung), weist er sie zur\u00fcck. Ber\u00fccksichtige man, da\u00df das Geld auf drei Bereiche habe verteilt werden m\u00fcssen \u2013 auf den Abbau der Braunkohle, auf die Kraftwerke selbst, auf das Stromnetz \u2013 alle drei seit langem verwahrlost, sei es noch viel zu wenig gewesen. F\u00fcr eine Korruption gro\u00dfen Stils jedenfalls habe es da gar nicht den Raum gegeben. Wie dem auch sei: jemanden wie den Kraftwerk-Experten im \u201eTirana\u201c wird man mit diesem Argument schwerlich \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Als wir ihn fragen, ob er denn bereit sei, einem unabh\u00e4ngigen Kosovo seine fachliche Kompetenz zur Verf\u00fcgung zu stellen, winkt er stumm und traurig ab.<\/p>\n<p>Wir sitzen an diesem sommerlich warmen Oktobertag auf der Terrasse \u2013 bei frischen N\u00fcssen und Trauben aus Suva Reka, wahrscheinlich den besten, s\u00fc\u00dfesten des Landes. Die junge Frau, Anfang zwanzig, ist in Deutschland aufgewachsen und studiert gegenw\u00e4rtig Filmregie an der Universit\u00e4t Prishtina. Sie steht bereits kurz vor ihrem Abschlu\u00df. Und wenn sie zur\u00fcckblicke auf ihr bisheriges Studium? \u201eDie Dozenten wissen nicht, wovon sie reden.\u201c \u2013 Das ist wieder eines dieser vernichtenden Urteile \u00fcber das Niveau dieser Universit\u00e4t, wie man sie hier \u00f6fters zu h\u00f6ren bekommt, und nicht nur von Internationalen. Es ist die noch keineswegs abgetragene Altlast der \u201ezehn verlorenen Jahre\u201c, also die Zeit des von Milosevic aufgezwungenen Apartheid-Systems mit seinen Schulen und seiner Universit\u00e4t im albanischen Untergrund \u2013 politisch wie sozial eine bewundernsw\u00fcrdige Leistung, aber dennoch nur eine Notl\u00f6sung mit einschneidenden Auswirkungen auf die Qualifikation oder Anschlu\u00dff\u00e4higkeit der Lehrenden.<\/p>\n<p>Dann verf\u00fcgten die angehenden Filmemacher hier auch \u00fcber so gut wie keine Mittel. Ein, zwei, drei kleine Filme bringe man vielleicht mit Gl\u00fcck noch zustande, aber sp\u00e4testens dann stehe man vor dem Nichts. Was die Kameras oder die Technik des Schneidens betreffe, sehe man sich an die Journalisten der \u00f6rtlichen Fernsehanstalten verwiesen, mit denen man bestenfalls durchwachsene Erfahrungen mache. Mal h\u00fclfen sie einem, mal nicht &#8211; je nach Lust und Laune. \u201eDie Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist eher die Ausnahme bei uns.\u201c Hinzu komme ein Trend und Druck in Richtung Produktion von Werbe-Spots und anderer leichter Ware. Wer sich dem aus inhaltlichen Gr\u00fcnden verweigere, habe mit Gleichg\u00fcltigkeit oder sogar h\u00f6hnischem Spott zu rechnen und finde sich schnell isoliert: \u201eWenn du dich zu H\u00f6herem berufen f\u00fchlst, dann mach mal sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n<p>Die Alltagserfahrung der R\u00fcckkehrerin hat noch ganz andere Dimensionen. Das Kosovo ist ihr Land. Die Unterstellung des Besuchers, sie interessiere sich vermutlich gar nicht so sehr f\u00fcr das politische Drama des Landes, weist sie h\u00f6flich zur\u00fcck: \u201eSo l\u00e4\u00dft sich das nicht sagen. Ich nehme durchaus teil an unserer politischen Zukunft. Aber gleichzeitig f\u00fchle ich mich fremd hier.\u201c Das Kosovo ist ihr Land, k\u00fcnftig vielleicht ihr Staat, aber es ist nicht ihre Gesellschaft. Die Zerrissenheit ist nicht untypisch f\u00fcr das Land \u2013 auch wenn sie im g\u00e4ngigen Kosovo-Bild bei uns seltsamerweise keine Rolle spielt. Es leben hier schlie\u00dflich zehntausende j\u00fcngerer Menschen, die ihre Jugend, ihre pr\u00e4genden Jahre im westlichen Ausland verbracht haben. Vielleicht sollten wir uns einmal fragen, welches soziale Gewicht diese massenhafte Heterogenit\u00e4t schon heute hier besitzt. \u201eDie Frau wird hier mi\u00dfachtet. Allein was Sie zu h\u00f6ren bekommen, wenn Sie hier die Hauptstra\u00dfe lang gehen! Man mu\u00df hier lernen abzuschalten. Man trainiert solange, bis man es nicht mehr h\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Was sind das f\u00fcr Stimmen? Gewi\u00df subjektive. Man h\u00e4tte mit ihnen zu debattieren: Wenn es unter den arbeitsf\u00e4higen jungen Menschen im Kosovo eine Arbeitslosigkeit von wahrscheinlich 80 % gibt, dann d\u00fcrfte sie f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der Minderheiten noch h\u00f6her sein. Man k\u00f6nnte fragen, ob in dem dunklen Bild eines ausbeuterischen, eines kriminellen Machtkartells \u2013 hermetisch abgeschottet gegen jede demokratische Kontrolle von au\u00dfen und von unten &#8211; nicht pessimistische Verzeichnung oder ein St\u00fcck Verschw\u00f6rungstheorie stecke. Und selbstverst\u00e4ndlich m\u00fc\u00dfte man noch anderen Frauen im Kosovo zuh\u00f6ren: Frauen, die nicht anderswo in der Welt aufgewachsen sind, \u00e4lteren Frauen auch, Frauen aus der Provinz. Aber es sind aufrichtige Stimmen. Ohne Zweifel kommen sie aus einer pers\u00f6nlichen Betroffenheit und gedanklichen Anstrengung. Sie \u00e4u\u00dfern eine tiefe, vielleicht verzweifelte Unzufriedenheit mit den allgemeinen Zust\u00e4nden im Land. Insofern kann man sie \u201epatriotisch\u201c nennen, wenn man will \u2013 aber es ist ein Patriotismus, der eher dem eines Heinrich Heine \u00e4hnelt als irgendeinem blinden, verstockten Nationalismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst K\u00f6hler (September\/ Oktober 2005) 1. Zwischen Diagnose und Diplomatie. \u00dcber den neuen Kosovo-Bericht des UN-Sonderbeauftragten Kai Eide. Bereits im August 2004 hatte der norwegische Diplomat Kai Eide im Auftrag Kofi Annans einen vielbeachteten Bericht \u00fcber die Lage im Kosovo vorgelegt. 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